Harburg gilt vielen Hamburgern noch immer als der Stadtteil weit unten am anderen Elbufer, irgendwo hinter den Brücken, gefühlt schon halb in Niedersachsen. Dabei erreichst du den alten Stadtkern vom Hauptbahnhof aus in gut einer Viertelstunde mit der S-Bahn.
Wer den Weg auf sich nimmt, findet einen Ort mit eigener Geschichte: jahrhundertelang eine selbstständige Stadt, erst 1937 nach Hamburg eingemeindet, mit eigenem Schloss, eigenem Hafen und einem grünen Umland, das im Hamburger Vergleich seinesgleichen sucht. Dreizehn Orte, die zeigen, warum sich die Fahrt über die Elbe lohnt.
- 1. Harburger Schloss und Schlossinsel
- 2. Harburger Binnenhafen
- 3. Channel Tower
- 4. Museumshafen mit den historischen Kränen
- 5. Harburger Rathaus
- 6. Archäologisches Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg
- 7. Sammlung Falckenberg in den Phoenix-Hallen
- 8. Harburger Stadtpark und Außenmühlenteich
- 9. Harburger Berge
- 10. Alte Harburger Elbbrücke
- 11. Jüdischer Friedhof am Schwarzenberg
- 12. Fischbeker Heide
- 13. Cranz und das Alte Land
- Ausblick: Was als nächstes für Besucher entsteht
1. Harburger Schloss und Schlossinsel
- Adresse: Schlossstraße, Harburger Binnenhafen, 21079 Hamburg
- Eintritt: Außenanlagen frei
- Geeignet für: Geschichtsinteressierte, Spaziergänger
- Verkehr: S-Bahn Harburg Rathaus (S3, S5), dann zu Fuß zum Binnenhafen
Der weiße Westflügel am Binnenhafen ist das älteste erhaltene Profanbauwerk Hamburgs. Die Burg wurde zwischen 1133 und 1137 erstmals als Horeburg erwähnt, also Burg im Sumpf, Keller und Teile der Außenmauern reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Archäologische Funde deuten sogar auf eine Anlage schon im 11. Jahrhundert hin.
Von der einst weitläufigen Schlossanlage blieb wenig: 1972 wurde der Großteil der Gebäude gegen den Protest der Bevölkerung abgerissen, nur der Westflügel überstand die Zeit. Die Schlossinsel ringsum blickt auf eine fast tausendjährige Geschichte zurück und ist heute als sternförmige Parkanlage mit vier Armen gestaltet. Im Schloss soll 2027 eine Dauerausstellung zur Stadtgeschichte als Außenstelle des Archäologischen Museums entstehen. Mehr zur Vergangenheit des Ortes findest du in unserem Überblick zur Geschichte Harburgs.
2. Harburger Binnenhafen
- Adresse: rund um Kanalplatz und Lotsekanal, 21079 Hamburg
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Flaneure, Architekturfreunde, Fotografen
- Verkehr: S-Bahn Harburg Rathaus (S3, S5)
Der Binnenhafen ist Harburgs heimliche Mitte. Durch eine Schleuse ist er tideunabhängig, weshalb hier auch Segler gern festmachen. Aus dem alten Industrie- und Handelshafen ist in den vergangenen Jahrzehnten ein lebendiges Quartier geworden, in dem roter Backstein, alte Speicher und neue Architektur dicht nebeneinanderstehen.
Treiber dieses Wandels ist die Initiative channel hamburg, nach der das ganze Areal benannt ist. Zwischen Kontorhäusern und Loft-Büros findest du Cafés und Restaurants direkt am Wasser. Wenn du danach Lust auf eine Pause hast, lohnt ein Blick in unsere Auswahl an Cafés in Harburg.
3. Channel Tower
- Adresse: Harburger Binnenhafen, 21079 Hamburg
- Eintritt: Bürogebäude, Außenbesichtigung
- Geeignet für: Architekturfans
- Tipp: am schönsten in Kombination mit einem Hafenrundgang
Das neue Wahrzeichen des Binnenhafens ist der 75 Meter hohe Channel Tower. Der gläserne Büroturm ragt unweit des denkmalgeschützten Palmspeichers und des historischen Fleethauses in die Höhe und ist von vielen Punkten der Stadt aus zu sehen.
Der Kontrast macht den Reiz aus: Wo sich heute moderne Hochhausarchitektur spiegelt, wurde früher Industrie betrieben. Der Tower steht symbolisch für den Strukturwandel, den der Binnenhafen vom Arbeitshafen zum Wissens- und Wohnstandort durchlaufen hat.
4. Museumshafen mit den historischen Kränen
- Adresse: Lotsekai, Harburger Binnenhafen, 21079 Hamburg
- Eintritt: frei (Schiffe von außen)
- Geeignet für: Maritimfreunde, Familien
- Tipp: Traditionsschiffe am Liegeplatz besichtigen
Am Lotsekanal liegt der kleine Museumshafen mit Traditionsschiffen, darunter immer wieder Segler und ehemalige Arbeitsschiffe. Prägend sind die beiden denkmalgeschützten Hafenkräne, ein blauer und ein gelber, die heute kulturellen Zwecken dienen statt Lasten zu heben.
Einer der historischen Kräne aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts konnte einst mehrere Tonnen bewegen. Heute sind die Kräne Fotomotiv und Erinnerung an die Zeit, als hier noch Stückgut umgeschlagen wurde.
5. Harburger Rathaus
- Adresse: Harburger Rathausplatz, 21073 Hamburg
- Eintritt: Außenbesichtigung frei
- Geeignet für: Architekturfreunde, Stadtbummler
- Verkehr: S-Bahn Harburg Rathaus (S3, S5)
Das reich verzierte Rathaus wurde um 1890 im Stil der Neorenaissance errichtet und diente als Amtssitz der damals noch völlig eigenständigen Stadt Harburg. Sandsteinranken und Blattwerk schmücken die Fassade und erinnern an das bürgerliche Selbstbewusstsein der einstigen preußischen Stadt an der Elbe.
Im Zweiten Weltkrieg 1944 schwer beschädigt, wurde der Bau anschließend wiederaufgebaut. Heute ist er Sitz des Bezirksamts Harburg und bildet zusammen mit dem Rathausplatz das repräsentative Zentrum des Stadtteils.
6. Archäologisches Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg
- Adresse: Museumsplatz 2 und Harburger Rathausplatz 5, 21073 Hamburg
- Eintritt: kostenpflichtig (Ermäßigungen möglich)
- Geeignet für: Familien, Geschichtsinteressierte, Schulklassen
- Verkehr: S-Bahn Harburg Rathaus (S3, S5)
Das Archäologische Museum Hamburg, früher als Helms-Museum bekannt, verwahrt die archäologischen Funde der Stadt und des südlichen Umlands. Es gehört zu den größten ur- und frühgeschichtlichen Sammlungen der Region und nimmt dich auf einen Streifzug durch 200.000 Jahre norddeutsche Geschichte mit.
Gegründet wurde der Trägerverein 1898 auf Anregung des Harburger Senators August Helms, damals noch für die selbstständige preußische Stadt Harburg. Eine große Außenstelle hat das Museum im Erdgeschoss des früheren Karstadt-Gebäudes am Herbert-und-Greta-Wehner-Platz eingerichtet, mitten in der Fußgängerzone.
7. Sammlung Falckenberg in den Phoenix-Hallen
- Adresse: Wilstorfer Straße 71, Tor 2 (Phoenix-Hallen), 21073 Hamburg
- Eintritt: nur mit Führung, Anmeldung erforderlich
- Geeignet für: Kunstinteressierte
- Tipp: Termine über die Deichtorhallen buchen
In den ehemaligen Phoenix-Werken zeigt die Sammlung Falckenberg auf über 6.000 Quadratmetern und fünf Etagen zeitgenössische Kunst. Der Hamburger Sammler Harald Falckenberg (1943 bis 2023) trug hier über Jahrzehnte einen Schwerpunkt auf deutscher und amerikanischer Gegenwartskunst seit den achtziger Jahren zusammen.
Seit 2001 ist die Sammlung in der alten Fabrikhalle untergebracht, seit 2011 gehört sie zu den Deichtorhallen Hamburg. Die Industriearchitektur und die Kunst gehen hier eine ungewöhnliche Verbindung ein, ein Besuch ist nur im Rahmen einer Führung möglich.
8. Harburger Stadtpark und Außenmühlenteich
- Adresse: Außenmühlenweg, 21077 Hamburg
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Familien, Spaziergänger, Jogger
- Tipp: Tretbootfahren und Einkehr im Bootshaus
Der Harburger Stadtpark mit dem Außenmühlenteich ist die grüne Erholungsmitte des Stadtteils. Ein Rundweg führt am Wasser entlang, vorbei an alten Bäumen, Spielplätzen und Bohlenstegen durch feuchte Bereiche. Auf dem Teich sind Wasservögel unterwegs, im Sommer auch Tretboote.
Am Ufer liegt das Bootshaus Außenmühle mit Biergarten, gleich nebenan das Freizeitbad MidSommerland. Wer von der Innenstadt kommt, spaziert oft über den Alten Friedhof Richtung Wilstorf hierher. Der Park ist ein klassisches Ausflugsziel für Familien.
9. Harburger Berge
- Highlights: Waldwege, Aussichtspunkte, Wintersport
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Wanderer, Mountainbiker, Familien
- Höhe: bis über 100 Meter
Im Süden des Stadtteils erheben sich die Harburger Berge, ein bewaldeter Höhenzug, der zu den höchsten Erhebungen Hamburgs gehört und Höhen von über 100 Metern erreicht. Die Geest steigt hier deutlich an und bildet einen Gegensatz zur flachen Elbmarsch im Norden.
Das ausgedehnte Wegenetz ist bei Wanderern und Mountainbikern beliebt, im Winter wird bei genug Schnee sogar gerodelt. Der Wald reicht weit ins niedersächsische Umland und gehört zum Naturpark Lüneburger Heide.
10. Alte Harburger Elbbrücke
- Adresse: nördlich des Binnenhafens Richtung Wilhelmsburg, 21079 Hamburg
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Technikfreunde, Radfahrer, Fotografen
- Baujahr: 1899
Die Alte Harburger Elbbrücke überspannt seit 1899 die Süderelbe und steht unter Denkmalschutz. Mit ihrer genieteten Stahlkonstruktion ist sie ein eindrucksvolles Zeugnis der Ingenieurbaukunst des späten 19. Jahrhunderts.
Bis in die frühen siebziger Jahre fuhr über die Brücke die Straßenbahn zwischen Harburg und Hamburg. Heute ist sie vor allem ein markantes Industriedenkmal an der Verbindung Richtung Wilhelmsburg.
11. Jüdischer Friedhof am Schwarzenberg
- Adresse: Schwarzenbergpark, 21073 Hamburg
- Eintritt: frei (Öffnungszeiten beachten)
- Geeignet für: Geschichtsinteressierte, ruhige Spaziergänger
- Tipp: mit einem Rundgang über den Schwarzenberg verbinden
Auf dem Schwarzenberg, der grünen Anhöhe oberhalb des Stadtkerns, liegt ein jüdischer Friedhof, der an die einst lebendige jüdische Gemeinde Harburgs erinnert. Die alten Grabsteine zwischen den Bäumen sind ein stilles und bewegendes Denkmal.
Der umgebende Schwarzenbergpark mit seinem alten Baumbestand ist ein beliebter Ort zum Spazierengehen. Von der Höhe hat man an einigen Stellen einen schönen Blick über Harburg.
12. Fischbeker Heide
- Adresse: Fischbeker Heideweg, 21149 Hamburg (Neugraben-Fischbek)
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Wanderer, Radfahrer, Naturfreunde
- Saison: ganzjährig, Heideblüte im August
Im äußersten Südwesten des Bezirks liegt die Fischbeker Heide, ein Naturschutzgebiet, das im Spätsommer lila aufblüht. Heidschnucken halten die Landschaft offen, und durch das Gebiet verläuft der Heidschnuckenweg, einer der bekanntesten Fernwanderwege Norddeutschlands.
Auch wenn die Heide streng genommen in Neugraben-Fischbek liegt und nicht im Stadtteil Harburg selbst, gehört sie für viele Harburger fest zum Ausflugsprogramm. Im Spätsommer ist die Blüte ein eindrucksvolles Naturschauspiel mitten in Hamburg.
13. Cranz und das Alte Land
- Adresse: Cranz, 21129 Hamburg
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Ausflügler, Radfahrer, Familien
- Saison: am schönsten zur Obstblüte im Frühjahr
Ganz im Westen des Bezirks liegt Cranz, der Hamburger Teil des Alten Landes. Hier prägen Obstplantagen und reetgedeckte Fachwerkhäuser das Bild, besonders zur Obstblüte im April und Mai ist die Gegend ein Ziel für Tagesausflügler. Die Este mündet hier in die Elbe.
Am Este-Sperrwerk gibt es eine Aussichtsplattform mit Blick auf Schiffe und hinüber nach Blankenese, in der Nähe steht der kleine Leuchtturm an der Estemündung. Wer mit dem Rad unterwegs ist, kann von hier tief ins Alte Land hineinfahren.
- Schweenssand: tidengeprägtes Naturschutzgebiet an der Süderelbe mit Schilf und Vogelwelt, erlebbar vom Deich
- Meyers Park in Heimfeld: bewaldeter Erholungsbereich mit Ponyreiten und Waldwegen
- Streetart im Binnenhafen: großflächige Wandbilder aus dem Projekt rund um die Bahnhofskanäle
Ausblick: Was als nächstes für Besucher entsteht
Harburg wird für Tagesausflügler sichtbarer. Im Harburger Schloss soll 2027 eine Dauerausstellung zur Stadtgeschichte als Außenstelle des Archäologischen Museums öffnen, und der Binnenhafen wächst weiter zum Wohn- und Kulturquartier. Die ehemaligen Industrieflächen am Wasser bekommen nach und nach neue Promenaden.
Harburg ist kein Ort, an dem man eine Liste abarbeitet. Es ist ein Ort, an dem du dir Zeit nimmst, am Binnenhafen einen Kaffee trinkst, eine Festung aus dem Mittelalter besuchst und dich wunderst, dass du in derselben Stadt wie die Landungsbrücken bist. Wer länger bleiben möchte, findet in unserer Übersicht zu den Stadtteilen Harburgs Anregungen für weitere Ecken.