Harburg ist der südlichste der sieben Hamburger Bezirke und einer der vielfaeltigsten. Suedlich der Elbe gelegen, reicht der Bezirk vom dicht bebauten Zentrum rund um den Bahnhof Hamburg-Harburg über die gruenen Hanglagen der Harburger Berge bis zu den Obsthoefen des Alten Landes und den Containerterminals am Hafen.
Bis 1937 war Harburg eine eigenständige preußische Stadt, erst mit dem Groß-Hamburg-Gesetz kam sie zu Hamburg. Offiziell gliedert sich der Bezirk heute in 17 Stadtteile, von der quirligen Innenstadt über Großsiedlungen wie Neuwiedenthal bis zu fast ländlichen Doerfern wie Cranz und Francop. Zusammen leben hier rund 178.000 Menschen (Statistikamt Nord, Stand 2024). Die folgende Reihenfolge der dreizehn Porträts orientiert sich an den Einwohnerzahlen, vom bevölkerungsreichsten Stadtteil abwärts, die kleinsten Hafen- und Marschstadtteile fassen wir am Ende zusammen.
1. Neugraben-Fischbek
- Einwohner: ca. 35.300 (2024)
- Lage: äußerster Südwesten, an der Grenze zu Niedersachsen
- Highlights: Fischbeker Heide, S-Bahnhof Neugraben, Vogelkamp und Fischbeker Reethen
- Charakter: größter Stadtteil, Mischung aus Großsiedlung, Neubau und Heidelandschaft
Neugraben-Fischbek ist mit rund 35.300 Einwohnern der bevölkerungsreichste Stadtteil des Bezirks und zugleich das westliche Tor zur Stadt. Hier endet Hamburg und beginnt Niedersachsen, der S-Bahnhof Neugraben ist Endpunkt der Linie S3 aus der Innenstadt.
Praegend ist der Gegensatz zwischen dichter Bebauung und freier Natur. Im Süden liegt die Fischbeker Heide, eines der größten Naturschutzgebiete Hamburgs mit Sanddünen, Wacholder und blühender Heide im Spätsommer. Im Norden wachsen mit den Neubauquartieren Vogelkamp Neugraben und Fischbeker Reethen ganze Wohnviertel aus dem Boden, die den Stadtteil weiter wachsen lassen.
2. Harburg
- Einwohner: ca. 29.200 (2024)
- Lage: Zentrum des Bezirks, südlich der Süderelbe
- Highlights: Der Sand, Harburger Schloss und Schlossinsel, Binnenhafen, Bahnhof Hamburg-Harburg
- Charakter: Verwaltungs-, Einkaufs- und Hochschulzentrum des Südens
Der Stadtteil Harburg ist das historische und funktionale Herz des Bezirks. Bis 1937 war Harburg eine eigenständige preußische Stadt, erst mit dem Groß-Hamburg-Gesetz kam sie zu Hamburg, die Selbständigkeit endete am 1. April 1938. Die Wurzeln reichen bis zur Horeburg um das Jahr 1000 zurueck, aus der spaeter das Harburger Schloss wurde.
Heute treffen hier Geschichte und Aufbruch aufeinander. Rund um den Marktplatz Sand und die Fußgängerzone Lüneburger Straße liegt die Haupteinkaufslage für den gesamten Hamburger Süden. Am Binnenhafen, getrennt von der Elbe durch eine Schleuse, sind aus alten Speichern und Fabriken moderne Büroquartiere wie der Channel Hamburg geworden, waehrend das gründerzeitliche Phoenix-Viertel an die Industriegeschichte erinnert. Der Bahnhof Hamburg-Harburg verknüpft Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr in Richtung Bremen, Hannover und Innenstadt.
3. Eißendorf
- Einwohner: ca. 25.600 (2024)
- Lage: westlich des Harburger Zentrums, am Hang der Harburger Berge
- Highlights: Außenmühlenteich, Stadtpark Harburg, Eißendorfer Forst
- Charakter: gruener Wohnstadtteil mit Ein- und Mehrfamilienhäusern
Eißendorf liegt am Nordhang der Harburger Berge und zählt zu den begehrtesten Wohnlagen des Bezirks. Der Stadtteil ist überwiegend von Wohnbebauung geprägt, von Reihen- und Einfamilienhäusern bis zu Geschosswohnungsbau aus mehreren Jahrzehnten.
Direkt an der Grenze zu Harburg liegen der Stadtpark Harburg und der Außenmühlenteich, das beliebteste Naherholungsziel im Süden. Wer hier wohnt, hat den Eißendorfer Forst und die Wanderwege der Harburger Berge praktisch vor der Haustuer.
4. Heimfeld
- Einwohner: ca. 23.000 (2024)
- Lage: westlich an das Harburger Zentrum angrenzend
- Highlights: Technische Universitaet Hamburg (TUHH), Schwarzenberg, Heimfelder Straße
- Charakter: Hochschul- und Wohnstadtteil, jung und gut angebunden
Heimfeld ist der Hochschulstadtteil Harburgs. Auf dem Schwarzenberg liegt der Campus der Technischen Universitaet Hamburg, die seit ihrer Gründung 1978 tausende Studenten in den Süden gezogen hat und das Gesicht des Stadtteils prägt.
Rund um die TU mischen sich studentisches Wohnen, gründerzeitliche Straßenzuege und gewachsene Wohnquartiere. Die Heimfelder Straße und der Bahnhof Hamburg-Harburg in Laufnähe sorgen für eine gute Anbindung an die Innenstadt.
5. Wilstorf
- Einwohner: ca. 17.900 (2024)
- Lage: südlich des Harburger Zentrums
- Highlights: Rieckhof, Wilstorfer Straße, Nähe Außenmühlenteich
- Charakter: dicht bebauter, lebendiger Wohnstadtteil
Wilstorf schliesst südlich an das Harburger Zentrum an und ist einer der am dichtesten besiedelten Stadtteile des Bezirks. Die Bebauung reicht von Gründerzeit über Nachkriegszeilen bis zu neueren Wohnanlagen.
Der Stadtteil ist gut versorgt und lebendig, das Kulturzentrum Rieckhof gehoert zu den bekannten Adressen. Ueber die Wilstorfer Straße und mehrere Buslinien ist man schnell am Bahnhof und im Zentrum.
6. Hausbruch
- Einwohner: ca. 16.900 (2024)
- Lage: Südwesten, zwischen Neugraben und den Harburger Bergen
- Highlights: Naturschutzgebiet Harburger Berge, Neuwiedenthal, Bahnhof Neuwiedenthal
- Charakter: Großsiedlung Neuwiedenthal und waldreiche Hanglagen
Hausbruch liegt im Südwesten des Bezirks und vereint zwei sehr unterschiedliche Welten. Im Norden liegt die Großsiedlung Neuwiedenthal mit ihrem eigenen S-Bahnhof, einer der großen Wohnsiedlungen aus den 1960er und 1970er Jahren.
Im Süden und Osten dagegen dominieren Wald und Heide der Harburger Berge. Damit ist Hausbruch ein Stadtteil der Kontraste, in dem verdichteter Wohnungsbau und ausgedehnte Naturräume nah beieinanderliegen.
7. Marmstorf
- Einwohner: ca. 9.300 (2024)
- Lage: Süden des Bezirks
- Highlights: Marmstorfer Dorfkern, Schwimmbad MidSommerland in Nachbarschaft
- Charakter: ruhiger Wohnstadtteil mit Dorfursprung
Marmstorf hat sich aus einem alten Dorf entwickelt und ist heute ein ruhiger, überwiegend von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägter Wohnstadtteil im Süden des Bezirks.
Der gewachsene Ortskern und viel Gruen machen Marmstorf zu einer gefragten Familienlage. Die Anbindung an das Zentrum erfolgt vor allem über Buslinien.
8. Neuenfelde
- Einwohner: ca. 5.300 (2024)
- Lage: Nordwesten, am Rand des Alten Landes
- Highlights: Obsthoefe des Alten Landes, Werft, Arp-Schnitger-Orgel in St. Pankratius
- Charakter: ländlich geprägt, Obstanbau und Schiffbau
Neuenfelde liegt am noerdlichen Rand des Alten Landes, des größten zusammenhaengenden Obstanbaugebiets Nordeuropas. Apfel-, Kirsch- und Birnbäume prägen die Marschlandschaft, die im Frühjahr zur Blütezeit besonders schön ist.
Neben der Landwirtschaft hat der Stadtteil eine industrielle Seite: An der Este liegt eine große Werft. In der Kirche St. Pankratius steht zudem eine historische Orgel des berühmten Orgelbauers Arp Schnitger.
9. Sinstorf
- Einwohner: ca. 4.300 (2024)
- Lage: Südosten, an der Grenze zu Niedersachsen
- Highlights: Sinstorfer Kirche, eine der aeltesten Kirchen Hamburgs
- Charakter: kleiner Wohnstadtteil mit dörflichem Ursprung
Sinstorf ist der südöstlichste Stadtteil des Bezirks und grenzt direkt an Niedersachsen. Der ruhige Wohnstadtteil hat seinen dörflichen Ursprung bewahrt.
Ein Wahrzeichen ist die Sinstorfer Kirche, die zu den aeltesten Kirchen auf Hamburger Gebiet zählt. Wohnen überwiegt, geprägt von Einfamilienhäusern und viel Gruen.
10. Langenbek
- Einwohner: ca. 4.100 (2024)
- Lage: Süden des Bezirks, zwischen Wilstorf und Marmstorf
- Highlights: S-Bahnhof Hamburg-Langenbek, Nähe zu den Harburger Bergen
- Charakter: kompakter Wohnstadtteil mit guter S-Bahn-Anbindung
Langenbek ist ein kleiner, kompakter Wohnstadtteil im Süden des Bezirks. Mit dem eigenen S-Bahnhof an der Linie S3 ist die Innenstadt direkt erreichbar.
Die Bebauung ist gemischt, von Geschosswohnungsbau bis zu Reihenhausquartieren. Die Nähe zu den Harburger Bergen sorgt für kurze Wege ins Gruene.
11. Rönneburg
- Einwohner: ca. 3.200 (2024)
- Lage: Süden, oestlich von Wilstorf
- Highlights: Roenneburger Park, ehemaliges Kurviertel
- Charakter: kleiner, gruener Wohnstadtteil
Roenneburg ist einer der kleinsten Stadtteile des Bezirks und liegt im Süden, oestlich von Wilstorf. Frueher gab es hier einen Kurbetrieb, woran heute noch der Roenneburger Park erinnert.
Der Stadtteil ist ruhig und gruen, geprägt von Wohnbebauung in lockerer Lage. Die Versorgung erfolgt über die benachbarten Stadtteile.
12. Cranz
- Einwohner: ca. 860 (2024)
- Lage: äußerster Nordwesten, an der Mündung der Este in die Elbe
- Highlights: Fähre Cranz-Blankenese, Estesperrwerk, Obsthoefe
- Charakter: kleinster bewohnter Elbdorf-Stadtteil im Alten Land
Cranz liegt ganz im Nordwesten, dort wo die Este in die Elbe mündet, und ist einer der kleinsten Stadtteile Hamburgs. Das Elbdorf gehoert zum Alten Land und ist von Obsthoefen umgeben.
Eine Besonderheit ist die Fährverbindung: Von Cranz setzt eine Fähre über die Elbe nach Blankenese über und verbindet so den Süden mit dem noblen Hamburger Westen.
13. Francop
- Einwohner: ca. 750 (2024)
- Lage: Nordwesten, im Alten Land zwischen Neuenfelde und Moorburg
- Highlights: Obstmarschlandschaft, Deiche an der Süderelbe
- Charakter: ländlicher Obstbau-Stadtteil
Francop ist ein kleiner, ländlich geprägter Stadtteil mitten im Alten Land. Reihen von Apfel- und Kirschbaeumen, Deiche und Entwässerungsgräben bestimmen das Bild der Obstmarsch.
Mit rund 750 Einwohnern gehoert Francop zu den am dünnsten besiedelten Teilen Hamburgs. Der Obstanbau prägt das Leben bis heute.
14. Altenwerder, Moorburg, Neuland und Gut Moor
- Einwohner: zusammen wenige Tausend, Altenwerder nahezu unbewohnt
- Lage: Norden des Bezirks, am Hafen und an der Süderelbe
- Highlights: Container Terminal Altenwerder, St. Gertrud (Altenwerder Kirche), Marschland
- Charakter: Hafen-, Industrie- und Marschstadtteile
Im Norden des Bezirks liegen vier sehr kleine, vom Hafen und vom Marschland geprägte Stadtteile. Altenwerder war bis in die 1960er Jahre ein gruenes Elbdorf, bevor es zum Hafenerweiterungsgebiet erklaert und fast vollstaendig geräumt wurde. Heute steht hier das hochautomatisierte Container Terminal Altenwerder, eine der modernsten Umschlaganlagen der Welt. Allein die Kirche St. Gertrud blieb als Zeuge des alten Dorfs erhalten.
Moorburg, Neuland und Gut Moor sind ebenfalls dünn besiedelt und stark von Hafen, Industrie und offener Marschlandschaft geprägt. Diese Stadtteile zeigen, wie eng im Süden Hamburgs Wohnen, Logistik und Natur beieinanderliegen.
Ausblick: Wohin sich Harburg entwickelt
Mehrere Stadtteile stehen in den naechsten Jahren im Fokus. In Neugraben-Fischbek wachsen mit Vogelkamp Neugraben und Fischbeker Reethen gleich zwei große Neubauquartiere, die den größten Stadtteil weiter wachsen lassen und das Mietniveau im Südwesten mitbestimmen. Rund um den Harburger Binnenhafen und den Channel Hamburg entstehen weiter Büros, Wohnungen und Kultur, der Stadtteil Harburg wächst hier zur Elbe hin.
Gleichzeitig bleibt der Bezirk ein Ort der Gegensätze: Hochautomatisierter Hafen in Altenwerder, Hochschulleben in Heimfeld, Obstblüte im Alten Land und Heidelandschaft in der Fischbeker Heide liegen nur wenige Kilometer auseinander. Wer den Süden Hamburgs wirklich kennenlernen will, sollte sich die Sehenswürdigkeiten rund um Schloss und Sand ansehen und anschliessend einen Streifzug durch die Stadtteile machen, jeder bringt seinen eigenen Charakter mit.